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Editorial-Archiv

Verändert der Mensch das Klima?

Prof. Dr. Mojib Latif,
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR, im Internet unter » www.ifm-geomar.de)

Das Klimaproblem hat seinen Ursprung darin, dass der Mensch durch seine vielfältigen Aktivitäten bestimmte klimarelevante Spurengase (Treibhausgase) in die Atmosphäre entlässt. Von größter Bedeutung ist dabei das Kohlendioxid (CO2), das vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (Erdöl, Kohle, Erdgas) in die Atmosphäre entweicht. Vom Menschen in die Atmosphäre emittiertes CO2 hat eine typische Verweildauer von ca. 100 Jahren, was die Langfristigkeit des Klimaproblems verdeutlicht. Der CO2 Gehalt der Erdatmosphäre war seit mindestens 650.000 Jahren nicht mehr so hoch wie heute. Seit Beginn der Industrialisierung ist er von 280 ppm (ppm: parts per million) auf heute 380 ppm angestiegen. Hierdurch wird eine langfristige Erwärmung der Erdoberfläche angestoßen. Die Temperatur der Erde zeigt bereits einen offensichtlichen Erwärmungstrend von etwa 0,8°C in den letzten 100 Jahren.

Es wird immer wieder die Frage nach der Rolle natürlicher Faktoren, insbesondere der Sonne, für die Erderwärmung gestellt. Gemittelt über die letzten 100 Jahre stieg die Solarkonstante an: Nach Schätzungen liegt sie zurzeit etwa 0.25% höher als vor 100 Jahren. Klimamodelle zeigen, dass dadurch ein Teil der beobachteten Erwärmung erklärt werden kann, allerdings mit etwa 0,2°C nur ungefähr ein Viertel der Gesamterwärmung. Die Sonnenvariabilität allein kann also nicht für den beobachteten Temperaturanstieg der letzten 100 Jahre verantwortlich sein, der überwiegende Anteil an der Erdwärmung ist daher vom Menschen verursacht. Dies ist Konsens in der internationalen Klimaforschung. Insofern kann es heute nicht mehr darum gehen, ob der Mensch das Klima beeinflusst, sondern nur noch darum, in wieweit wir die Klimaveränderung noch minimieren können.

Die Klimaproblematik steht inzwischen an oberster Stelle auf der Agenda der Weltpolitik. Am 10. Dezember 1997 haben die Vertragsstaaten der Rahmenkonvention der Vereinten Nationen zu Klimaänderungen einstimmig das Kioto Protokoll angenommen. Die Industrieländer verpflichten sich mit ihm, ihre Treibhausgasemissionen um im Mittel 5,2% (bezogen auf die Emission im Jahre 1990) bis zur Periode 2008 bis 2012 zu mindern. Die USA haben sich allerdings inzwischen vom Kioto Protokoll losgesagt. Und auch die Schwellenländer, wie etwa China oder Indien, sind im Kioto Protokoll nicht berücksichtigt. Dabei haben die USA und China zusammen einen Anteil an den weltweiten Kohlendioxid-Emissionen von etwa 40%. Den aus Sicht der Klimaforscher notwendigen Klimaschutz liefert das Kioto Protokoll in der gegenwärtigen Form keineswegs. Um gravierende Klimaänderungen in den nächsten hundert Jahren zu vermeiden, müsste der Ausstoß von Treibhausgasen auf ein Bruchteil (<20%) des heutigen Ausstoßes bis zum Jahr 2100 reduziert werden. In der Zukunft muss daher der Einführung der regenerativen Energien mehr Gewicht beigemessen werden, denn diese, insbesondere die Sonnenenergie, beeinflussen das Klima nicht und stehen unbegrenzt zur Verfügung. Da das Klima nur auf unsere langfristige Strategie reagiert, kann der Umbau der Wirtschaft in Richtung der erneuerbaren Energien allmählich innerhalb der nächsten hundert Jahre erfolgen. Wichtig ist aber, dass wir heute bereits alle Energiesparpotentiale ausschöpfen und den Weg der Reduzierung der Treibhausgasemissionen beschreiten. In sofern ist das Kioto Protokoll ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Viele weitere müssen aber folgen.

Wenn wir heute die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung stellen, dann ist dies auch in ökonomischer Hinsicht sinnvoll, denn es ist insgesamt billiger, Vorsorge zu treffen, als die sich in der Zukunft häufenden klimabedingten Schäden zu begleichen. Darüber hinaus sollten wir nicht mit unserem Planeten experimentieren, da die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, dass vielerlei Überraschungen möglich sind. So wurde beispielsweise das Ozonloch über der Antarktis von keinem Wissenschaftler vorhergesagt, obwohl die ozonschädigende Wirkung der FCKWs schon lange bekannt war. Das Klimasystem ist ein nichtlineares System, das bei starken Auslenkungen verblüffende Lösungen bereithalten kann.

zugesandt am 30. Mai 2007


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Prof. Dr. Mojib Latif - Lebenslauf

Bild von Prof. Dr. Mojib Latif

Daten und Foto stammen von der Internetseite des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR)

(Die Einstellung in dieses Portal erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Institutes)
Geboren am:
29. September 1954 in Hamburg
Schule:
1961 - 1974 Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer, Hamburg
1974 Abitur
Studium:
1974 - 1976 Studium der Betriebswissenschaft, Universität Hamburg
1976 - 1983 Studium der Meteorologie, Universität Hamburg 1983 Diplom in Meteorologie
Promotion:
1987 Promotion in Ozeanographie, Universität Hamburg
Habilitation:
1989 Habilitation für das Fach Ozeanographie, Universität Hamburg
Berufliche Tätigkeiten:
1983 - 1988 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut in Hamburg
1989 - 2002 Privatdozent am Max-Planck-Institut in Hamburg
seit 2003 Professor am Institut für Meereskunde, Kiel
seit 2004 Professor am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, Kiel (vormals Institut für Meereskunde)


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