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Editorial-Archiv

Der Klimawandel hat eine ökonomische Komponente - auch die Wald- und Forstwirtschaft wird betroffen sein

Prof. Dr. Claudia Kemfert,
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW, im Internet unter » www.diw.de)

Wie in dem jüngsten Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) dargelegt, schreitet der menschlich verursachte Klimawandel unaufhörlich voran. Die Klimaforscher sind sich weitgehend einig, dass schon heutige extreme Klimaereignisse, wie der sehr heiße Sommer im Jahr 2003 und der Hurrikan Katrina im Sommer 2005 auf den menschlich verursachten Klimawandel zurückzuführen sind. Der Winter 2006⁄2007 in Deutschland ist der wärmst seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, das Jahr 2005 war das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es mehren sich schon heute extreme Klimaereignisse, die alle Rekorde brechen.
Der Klimawandel wird kaum noch aufzuhalten sein, dazu müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen auf nahezu heutiges Niveau eingefroren werden. Die derzeit stark prosperierenden Volkswirtschaften wie China und Indien werden auch in der Zukunft weiter wachsen und in erster Linie fossile Energie wie Kohle, Öl und Gas zur Energiebereitstellung einsetzen. Damit werden die für den Klimawandel hauptsächlich verantwortlichen CO2-Emissionen der heutigen Entwicklungsländer bereits im Jahr 2020 die der OECD Länder überschritten haben.
Bei weiter steigenden CO2-Emissionen und damit einer Temperaturerhöhung von über 2°C bis zum Jahre 2100 werden extreme Klimaereignisse, wie Hurrikane, Stürme, extreme Niederschläge und Überflutungen und sehr heiße Sommer mit Dürren häufiger und intensiver eintreten. Auch in Deutschland wird es zu Klimaveränderungen kommen.
Wenn kein Klimaschutz betrieben werden würde, kann es zu einer raschen Erwärmung kommen. In Deutschland wird es zu einer Zunahme der Niederschlagsintensitäten und damit vermehrtes Hochwasser und zu einer Abnahme von Eis- und Frosttagen kommen. Durch die Zunahme von extrem heißen Sommern kommt es zu einem Rückgang der Sommerniederschläge, insbesondere in Südwest- und Nordostdeutschland.
Wenn kein Klimaschutz betrieben werden würde und damit die globale Oberflächentemperatur auf bis zu 4,5°C bis zum Jahre 2100 steigen würde, würden in Deutschland bis zum Jahre 2050 Kosten von insgesamt knapp 800 Mrd. Euro anfallen. Allein nur die durch Klimaschäden verursachten Kosten betragen ca. 330 Mrd. Euro. Die erhöhten Energiekosten umfassen knapp 300 Mrd. Euro, wovon die privaten Haushalte fast die Hälfte tragen müssten. Die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel umfassen ca. 170 Mrd. Euro, welche insbesondere im Landwirtschafts- und Tourismussektor auftreten werden. Der Klimawandel würde damit in den kommenden 50 Jahren durchschnittlich jährlich zu gesamtwirtschaftlichen Wachstumseinbußen von bis zu 0.5 Prozentpunkten führen.
Zum einen müssen vermehrt Gelder für die Anpassung an den Klimawandel bereit gestellt werden. Insbesondere ist ein ausreichender Hochwasserschutz, wie z.B. der Bau von Deichen, Schutzmauern oder Rückhaltebecken, notwendig, um die Schäden zu vermeiden bzw. zu vermindern. Zum anderen muss ein Hitzewarnsystem entwickelt werden, dass künftig nicht nur auf die Gefahren extremer Hitze für die Gesundheit eines Menschen hinweist, sondern auch detaillierte Notfallpläne und Vorsorgemaßnahmen, wie eine verbesserte Gebäudeisolation zur Kühlung, umfasst. Darüber hinaus entstehen indirekte Kosten durch eine Verteuerung der Energiebereitstellung.
Durch die Zunahme von extrem heißen Sommern wird die Forstwirtschaft künftig verstärkt durch Waldbrandgefahr gefährdet sein, zudem kann Wassermangel die Wachstumsbedingungen verschlechtern und eine Schädlingsverbreitung begünstigen. Daneben kann es zu einer Veränderung der Forstbewirtschaftung kommen, Waldumbauprogramme werden eher Mischwälder anstelle von Monokulturen favorisieren, da diese resistenter gegen Klimaschwankungen sind. Daher treten in diesem Sektor sowohl Klimaschäden und Kosten der Anpassung auf, d. h. beispielsweise Kosten für eine erhöhte Wasserbereitstellung, für Schädlingsbeseitigung und Umstellung auf veränderte Anbaumethoden. Durch extrem heiße Sommer wird in Zukunft gerade in Südwestdeutschland die Land- und Forstwirtschaft mit Wasserknappheiten rechnen müssen. Aufgrund von Wasserknappheit und Trockenheit kann es zu Ernteeinbußen kommen, es könnten in der Land- und Forstwirtschaft bis zu 3 Mrd. Euro Schäden in den kommenden 50 Jahren durch den Klimawandel auftreten. Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg mit rund der Hälfte der Schäden wäre am stärksten betroffen (Bayern und Niedersachsen: je ca. 570 Mio. Euro, Baden-Württemberg ca. 270 Mio. Euro).

Insgesamt werden nahezu alle volkswirtschaftlichen Sektoren vom Klimawandel betroffen sein. Der Sektor der Wald und Forstwirtschaft ist zwar aus rein wirtschaftlicher Sicht gesehen ein weniger bedeutsamer Sektor im Vergleich zur Industrie oder Energiewirtschaft, jedoch der Sektor, der den Klimawandel am ehesten "spürt" und damit ein wichtiger Indikator für den kommenden Klimawandel darstellt.

zugesandt am 01. November 2007


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Prof. Dr. Claudia Kemfert - Lebenslauf

Bild von Prof. Dr. Claudia Kemfert

Daten und Foto stammen von der Internetseite des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW)

(Die Einstellung in dieses Portal erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Institutes)
Geboren am:
17. Dezember 1968 in Delmenhorst
Studium:
1988 - 1991 Studium der Wirtschaftswissenschaften, Universität Bielefeld
1991 - 1994 Studium der Wirtschaftswissenschaften, Universität Oldenburg (Spezialisierung in Umwelt- und Ressourcenökonomie) 1994 Diplom der Wirtschaftswissenschaften
Dissertation:
1994-1997 Universität Oldenburg
1997 PhD Programm an der Stanford University, USA
1998 Doktor der Wirtschaftswissenschaften
2002 Ernennung zur Juniorprofessorin für angewandte Umweltökonomie
Berufliche Tätigkeiten:
1994 - 1998 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Oldenburg, Institut für VWL
1998 Wissenschaftlerin an der Fondazione Eni Enrico Mattei (FEEM), Mailand, Italien
2000 - 2004 Leiterin der Forschergruppe "SPEED" Scientific Pool of Environmental Economic Disciplines an der Universität Oldenburg
seit 2004 Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am DIW und Professor an der Humboldt-Universität Berlin
Arbeits- und Forschungsschwerpunkt:
Erforschung und Bewertung der ökonomischen und umweltökonomischen Auswirkungen von umwelt- und energiepolitischen Strategien auf nationaler und internationaler Ebeneanhand von quantitativen Modellierungsansätzen


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